Was sind Sicherheitsvorfälle in der Informationssicherheit?
Wichtig ist die Unterscheidung, dass es nicht nur IT-Sicherheitsvorfälle, also z.B. klassische Systemfehler) gibt, sondern auch Vorfälle wie z.B. Social-Engineering-Attacken. Es geht sowohl um analoge wie auch digitale Aspekte. Es ist besonders wichtig, dass Unternehmen geeignete Verfahren haben, um schnell und effektiv reagieren zu können.
„Einmal mehr melden ist besser als einmal weniger melden“, das ist ein guter Grundsatz im Unternehmen.
Warum melden Mitarbeitende Vorfälle nicht?
Die Herausforderungen beim Meldeprozess sind, dass die Mitarbeiter*innen nicht wissen, was sie melden sollen und wie sie es melden sollen. Viele Unternehmen sind nicht in der Lage, die festgelegten Prozesse operativ umzusetzen.
Im günstigsten Fall gibt es diese Prozesse und sie funktionieren. Wenn nun ein Vorfall gemeldet wird, was bedeutet es für den, an den der Vorfall gemeldet wird?
Karin erzählt, dass sie diese Situation gut aus der Mitarbeiterberatung kennt. „Wir hatten schon mehrfach die Situation, dass Mitarbeitende uns eine Unterschlagung gemeldet haben. Warum haben die sich an uns gewandt, einen externen Dienstleister und nicht an jemanden im Unternehmen selbst? Weil das ein Risiko ist. Wenn ich im Unternehmen nicht Personen habe, denen ich vertrauen kann. Es gibt die Angst, dass derjenige, der einen Vorfall meldet, hinterher Probleme bekommt. Wir brauchen Anlaufstellen in den Unternehmen, die mit solchen Vorfällen vertraulich umgehen und wissen, was sie damit tun sollen.“
Asiye ergänzt, dass es durchaus stressmindernd ist, wenn Prozesse existieren, die strukturiert sind.
Was setzt Menschen unter Stress? Was unterscheidet Stress von normaler Belastung?
Stress an sich ist ein neutraler Begriff, es bedeutet, wir sind in einem bestimmten Anspannungsniveau, weil wir uns konzentrieren. Es kommt ganz auf das Stressniveau an. Stress, und Arbeit an sich, macht nicht nur krank - sondern auch gesund, weil wir dadurch viele Erfolgserlebnisse haben und viele Sozialkontakte. Das Problem ist krankmachender Stress.
Wann wird Stress eine Gefahrenquelle für die Gesundheit? Das ist immer dann der Fall, wenn etwas in Schieflage gerät, z.B. die Arbeitsmenge nicht zur Arbeitszeit passt, Arbeitsaufgaben passen nicht zusammen oder es gibt ein hohes Anspannungsniveau im privaten Bereich. Anzeichen sind Nervosität, die Gelassenheit fehlt und die Fehlerhäufigkeit nimmt zu.
Wie sieht es aus mit Stress im IT oder im Cybersecurity-Bereich?
Michaela distanziert sich davon: „Ich denke nicht, dass in der IT oder im Cybersecurity-Bereich ein verändertes Stresslevel herrscht. Ich persönlich möchte lieber auf den Menschen schauen, der vor dem Bildschirm sitzt. Wir sind Menschen, wir machen Fehler. Und Menschen haben eine Persönlichkeit und reagieren unterschiedlich auf Stress.“
Asiye gibt Michaela recht, der Mensch sei individuell. „Ich beobachte jedoch, dass wir die technischen Lösungen immer als Unterstützung wahrnehmen, obwohl diese Systeme auch anfällig sind und Schwachstellen haben. Der Faktor Mensch wird sehr oft in der Sicherheitskette als Schwachstelle angesehen. Dieser Punkt benötigt einen Wandel, denn der Faktor Mensch ist meiner Meinung nach eher die Stärke und muss als tragende Säule der Informationssicherheit verstanden werden.“
Was kann ich als Manager*in eines Teams, das sich um Sicherheitsvorfälle kümmert, tun, damit das Team nicht unter Stress leidet?
Michaela sagt, dass man vor allem die Teambildung fördern muss und die Teams divers gestaltet werden sollten. Bei der Auswahl muss man sich die einzelnen Persönlichkeiten ganz genau anschauen (z.B. mit Hilfe von Tests wie 16 Personalities). Im Team sollte man auf den Stärken aufbauen, nicht nur die Schwächen korrigieren.
Karin ergänzt, dass Prävention sehr wichtig ist, das Team soll nicht ausfallen, z.B. nach einer Cyberattacke, also nach einem Stressvorfall.
Was hält ein Team gesund in so einer Phase?
Es gibt ganz viele Unsicherheiten, deshalb sind Leitplanken wichtig. Hier hilft das Modell der Salutogenese (Wissenschaft von der Entstehung und Erhaltung der Gesundheit). Es gibt 2 Pole, den krankmachenden Faktor und den gesundmachenden Faktor, man sollte sich immer im mittleren Bereich bewegen. Ein Schlüsselkonzept ist das Kohärenzgefühl, das sich im Laufe des Lebens auf der Basis von Ressourcen entwickelt und aussagt, ob das eigene Leben als verstehbar, bewältigbar und sinnhaft erlebt wird. Ein hohes Kohärenzgefühl führt zu positiver Gesundheit, ein geringes Kohärenzgefühl zu negativer.
Auf einen Cybervorfall bezogen, heißt das:

Diese drei Komponenten entscheiden darüber, wie das Team arbeiten kann.
Wie kann man organisatorisch einen Krisenfall beschreiben und Maßnahmen in Gang setzen, die diesen Ausnahmezustand handhabbar machen?
Asiye erklärt, dass es der Zweck des Krisenmanagements ist, unerwartete Situationen mit präventiven, reaktiven und detektiven Maßnahmen entgegenzuwirken. Leitlinien dazu stellt das BSI oder die ENISA zur Verfügung. Notfallmanagement und Krisenmanagement werden zusammengetragen. In beiden geht es darum, im ersten Schritt eine Ablauforganisation zu haben, Verantwortlichkeiten zu haben, also zu melden, alarmieren und eskalieren und Sofortmaßnahmen einzuleiten.
Wenn ich sehe, mein Team ist total belastet, was kann ich tun? Wie erkenne ich das?
Es gibt eine Phase, da läuft es schon aus dem Ruder. Als Führungskraft sollte man sich mit seinem Team regelmäßig treffen und Veränderungen im Blick haben, vor allem im Arbeitsverhalten (z.B. Unpünktlichkeit, Flüchtigkeitsfehler), die Grundarbeitsfähigkeit (z.B. Kurzerkrankungen) und das Sozialverhalten. Eine Führungskraft muss bei Auffälligkeiten das Gespräch suchen, muss sich aber keine Gedanken über Diagnosen machen, das überfordert. Führungskräfte sind verantwortlich, dass Arbeitsbedingungen nicht krankmachen, aber sie sind nicht für die Gesundheit der Mitarbeitenden verantwortlich.
Sollte es sich herausstellen, dass der Mitarbeitende überlastet ist, kann man vorübergehend versuchen zu entlasten. Der Zeitraum sollte nicht zu lang sein (3-4 Wochen). Entscheidend ist nicht nur diese Maßnahme, sondern auch die Frage, was tut der Mitarbeitende selbst? Die Maßnahmen müssen auf Augenhöhe bleiben, sonst wird die Führungskraft zum Retter und das ist zu einseitig.
Michaela fügt noch hinzu, dass es wichtig ist, wenn sich eine Person öffnet, diese auch reden zu lassen und gibt zu bedenken, dass es für viele eine Überwindung ist, sich im beruflichen Bereich einer Person gegenüber zu öffnen.
Sandra hat die Erfahrung gemacht, dass viele Teams, vor allem in einer Krise, selbst regulierend sind. Und dass in einer Krise ein Team zusammengeschweißt wird.
Was ist sinnvoll nach der Krise?
Asiye erzählt: „Wir schauen nach qualitätssichernden Maßnahmen, was ist optimal verlaufen, wo kann man verbessern. Im Cybersecurity-Umfeld, wo eventuell ein Mitarbeiter einen Verstoß begangen hat, muss man deshalb auch seine Schulungs- und Trainingskonzepte überprüfen.“
Karin gibt den Tipp: „Im Team schauen, was hat gut funktioniert, wo haben wir gut zusammengearbeitet, wo sind wir über uns hinausgewachsen. Das muss gefeiert werden! Wo hat es gehakt, ohne Suche nach den Schuldigen. Die Erschöpfung bzw. ein Stimmungswechsel nach unten nach so einer Phase ist normal und geht von allein wieder weg, muss aber berücksichtigt und zugelassen werden.“
Moderation:
Sandra Aengenheyster
Gäste:
Asiye Öztürk, Lead Auditor Cyber Security, Dozentin
Karin Vittinghoff, Zertifizierte psychosoziale, systemische Mitarbeiterberaterin und Präventionstrainerin
Michaela Templin, Projektmanagerin IT Security, eco - Verband der Internetwirtschaft e.V.

Winstone House, 3rd Floor,
Units 306-309, 2-4 Dollis park,
London, N3 1HF
020 8349 4363
© 2026, Lyonsdown Limited. teiss® is a registered trademark of Lyonsdown Ltd. VAT registration number: 830519543