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teissTalk: Cyber-Security Awareness– Welchen Beitrag kann professionelle Kommunikation zum Erfolg leisten?

Christine Deger: „Sandra, warum sagst Du, Kommunikation ist so wichtig bei IT und insbesondere bei den Cybersecurity-Themen?“

 

Sandra Aengenheyster: „Im Prinzip ist die Kommunikation rund um Cybersecurity ein Teil der internen Kommunikation, die ausgeht von Kommunikation der IT, sofern sie denn stattfindet. Eine professionelle Kommunikation unterstützt, die relevanten Elemente von Themen in einen Kontext zu setzen und das Bewusstsein zu schärfen. Also, warum tun wir das? Warum ist das wichtig? Was hat das mit mir zu tun? Wenn das Thema jemanden berühren soll, muss es für die Person relevant sein. Es muss auch eine Beziehung hergestellt werden zur eingesetzten Technologie und zu den Regeln des Unternehmens. Es muss in der Sprache des Unternehmens stattfinden, das ist ein ganz wichtiger Teil der Firmenkultur.

 

Christine Deger: „Zum Thema Sprache habe ich von Steffen Hessler, der heute leider nicht mit dabei sein kann, erfahren, dass man anhand der Sprache erkennen kann, wer hinter dem Text steckt. Wenn man also als Unternehmen von einer Ransomware-Attacke betroffen ist, können die Forensiker herausfinden, welche Erpressergruppe es ist. Wie findest Du das Milena?“

 

Milena Thalmann: „Die Sprache ist eines der wichtigsten Mittel, um Vertrauen bilden zu können. Wir kennen das, wenn wir mit Kindern sprechen, dann wird unsere Stimme höher und weicher, um Nähe aufzubauen zur kindlichen Stimme. Genauso geht es mit, wenn ich über Cybersecurity spreche, dann passe ich die Sprache an, um authentisch zu sein. Denn ich bin der Botschafter und der Purpose hinter der Botschaft. Immer, wenn man anfängt zu erklären, schafft man Bilder im Kopf, das sollte einem bewusst sein. Durch Sprache sollte ich positive Bilder erzeugen.“

 

Christine Deger: „Das bedeutet auch, dass wir Begriffe definieren müssen, also den gemeinsamen Nenner finden müssen. Steffen hat auch erzählt, dass er eine Umfrage mit Kollegen gemacht hat, da wurden 60 Menschen zu einem bestimmten Begriff befragt und was dieser Begriff für sie bedeutet. Die Hälfte der Teilnehmenden haben ungefähr dasselbe unter diesem Begriff verstanden, aber die anderen hatten ein völlig anderes Verständnis von diesem Begriff gehabt. Wie bekommt man es hin, dass alle dasselbe verstehen?“

Sandra Aengenheyster: „Ich achte sehr darauf, am Anfang eines Projekts, ein Glossar zu machen. Da reicht schon ein Word-Dokument. Ich möchte sicherstellen, dass jeder das gleiche versteht, besonders bei Anglizismen.“

 

Milena Thalmann: „Ich möchte noch etwas zu Sandras Aussage ergänzen. Was ganz schnell passiert, ist, dass Experten eines bestimmten Themas in ein Fachlingo abdriften. Man macht das gerne, weil man zeigen möchte, dass man Experte ist. Man schafft dadurch aber auch sehr viel Distanz. Deshalb gerne ein Glossar verwenden, aber vielleicht auch Fachsprache vermeiden und versuchen bei einer beschreibenden Sprache zu bleiben. Das Mitnehmen soll emotional passieren, deshalb muss man alle Mittel der Kommunikation ausschöpfen, mit positiven Bildern arbeiten, mit Farben, mit Signalen, die Mimik und die Hände spielen eine Rolle. Körpersprache im Allgemeinen ist sehr wichtig, wenn wir Vertrauen aufbauen wollen. Und in der authentischen Sprache des Unternehmens bleiben.“

 

Sandra Aengenheyster: „Die Frage ist immer, was möchte ich mit Kommunikation und Aufklärung erreichen. Was ist der Stand jetzt und wohin möchte ich? Anhand von Szenarien, am besten mit einem persönlichen Verknüpfungspunkt, eventuell mit Hilfe einer Identifikationsfigur, kann man Handlungsoptionen darstellen. Kommunikation ist dann gelungen, wenn man in echte Kommunikation tritt mit Feedback und Dialog. Nicht mit dem Finger zeigen und bestrafen! Ideal: Das ist die Begründung, warum wir uns in diesem Unternehmen dieses Verhalten in dieser Situation wünschen. Deshalb ist für mich ein Glossar auch wichtig, zur Erklärung. Übrigens auch für Abkürzungen, die werden benutzt, aber die Leute kennen gar nicht die Bedeutung. Wenn man sie verwendet, sollte man sie erklären.“

Was sind denn Signale und Farben?

Milena Thalmann: „Zum einen kann man die Bilder nutzen, die zum Thema bekannt sind, also zum Beispiel für Cybersecurity die Farbe Blau, einen Hoodie, ein paar Zahlen, ein Schloss. Aber dann wird man sehr schnell beliebig in der Kommunikation und die Leute hören sehr schnell nicht mehr zu, nach dem Motto, weiß ich ja schon, kenn ich ja schon. Wenn ich etwas kommunizieren möchte, dass zu einer Handlung auffordert, muss ich mich entsprechend aufstellen, d.h. das Ziel vor Augen haben und das Zielbild visualisieren. Signale und Farben geht genau in die gleiche Richtung. Nicht mit Warnung und rot kommunizieren, bloß weil es ein brisantes Thema ist. Lieber in Farbspektren arbeiten, die motivierend sind, also Gelb, Grün etc. Es muss aber zum Unternehmen passen und authentisch sein. Kommunikationsformate wie z.B. Piktogramme, die einen Wiedererkennungswert haben und an denen man sich orientieren kann, sind gut. Nicht immer in der Tiefe kommunizieren, sondern den Erklärweg wählen bei einem breiten Empfangspublikum.“

 

Sandra Aengenheyster: „Was mir noch wichtig ist: Cybersecurity oder Informationssicherheit, das ist ja nicht getan mit einer Kampagne. Im günstigsten Fall macht man eine konsistente Kommunikation über einen längeren Zeitraum. Bis man eine Sicherheitskultur über Kommunikation in einem Unternehmen verankert hat, dauert das eine Weile. Es spricht nichts dagegen, auch mal einen ungewöhnlichen Weg zu gehen für das Unternehmen, z.B. mal ein anderes Format wählen als das gewohnte, wie Gaming oder Incentivierung.“

 

Christine Deger: „Es gibt ja auch Awards für Cybersecurity-Kampagnen, die lohnt es sich mal anzuschauen für Anregungen.“

 


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