Insider sind Mitarbeiter im eigenen Unternehmen, die dieses schädigen wollen. Das Thema ist sehr vielschichtig, insbesondere der Faktor Mensch stellt die größte Unsicherheit für die Cybersicherheit dar. Die Gründe sind vielfältig, z.B. Unaufmerksamkeit, Unwissenheit, Naivität usw. Es gibt 3 typische Profile der Bedroher: Zum einen Angreifer mit gestohlenen Anmeldedaten (Identitätsbetrug), zum anderen fahrlässig handelnde Mitarbeitende (56 Prozent) und als dritte Gruppe Insider mit kriminellen und böswilligen Motiven, das sind immerhin 26 Prozent.
Ulla Coester: „Dazu habe ich 2 Thesen. Die erste ist, dass Künstliche Intelligenz in der Cybersicherheit sicherlich helfen wird, Angriffe besser zu identifizieren und die wenigen Experten, die wir haben, auch wirkungsvoll zu unterstützen. Wir haben jahrelang das Prinzip der Perimetersicherheit gehabt, also dass wir alle Angriffe von außen abgeblockt haben und dachten, damit können wir das Unternehmen adäquat absichern. Da dies nicht mehr der Fall ist, muss man andere Möglichkeiten in Betracht ziehen für die Absicherung. Um die interne Infrastruktur abzusichern, eignet sich u.a. Das Zero Trust Konzept. Hier kann man sehr gut KI einsetzen, um Anomalien zu erkennen. Meine zweite These ist, dass es notwendig ist, Vertrauen aufzubauen, und zwar in die Technologie. Hersteller und Unternehmen, die KI einsetzen, müssen vertrauenswürdig agieren, um die Akzeptanz der Nutzer zu erhöhen. Die Skepsis gegenüber der KI ist nach wie vor vorhanden. Man hat immer noch Sorge, die Auswirkungen der KI nicht abschätzen zu können, z.B. wenn die Technologie in falsche Hände gerät.“
Sandra Aengenheyster: „Das heißt, Du sagst, Mitarbeitenden vertrauen zum Thema Cybersicherheit kann man nicht, egal welche Motivation sie haben, ob böswillig oder nicht.“
Ulla Coester: „Ich möchte unterscheiden zwischen blindem Vertrauen und etabliertem Vertrauen. Wenn ich meinen Mitarbeitern erkläre, warum ich KI einsetze, dass das kein Misstrauen gegen sie ist, dann können die Mitarbeiter das akzeptieren. Das ist keine Kontrolle, der Einsatz der Technologie ist zugunsten der Mitarbeiter.“
Sandra Aengenheyster: „Social Engineering ist ja das bewusste Ausnutzen von Verhaltensweisen oder Manipulation von Menschen. Was ist die wirkungsvollste Prävention gegen diese Schwachstelle?“
Chris Lichtenthäler: Die wirkungsvollste Prävention ist zum einen das Thema Awareness schaffen bei den Mitarbeitern gepaart mit technischer Unterstützung.“
Sandra Aengenheyster: „Die technische Unterstützung hat den Vorteil, dass alles dokumentiert werden kann. Wenn es also nun passiert ist, wie muss ich mir die Beweisführung vorstellen?“
Chris Lichtenthäler: „Wir unterscheiden hier. Z.B. bei einem Identitätsbetrug, das ist ein Angriff von außen, oder ein Angriff durch einen Innentäter. Bei einem Angriff von außen ist der Mitarbeiter sicherlich eher zur Zusammenarbeit bereit. Das ist bei einem Innentäter nicht so. Trotzdem ist das Vorgehen erste einmal dasselbe. Es fängt mit Interviews bis zu einer kompletten forensischen Beweissicherung, z.B. die Sicherung eines Laptops, Servers oder Logfiles. Der Datenschutzbeauftragte ist immer involviert, Betriebsräte und eine rechtliche Begleitung findet auch statt. Viel hilft viel, je mehr Informationsquellen man hat, desto besser lässt sich das Thema auswerten.“
Egon Kando vertritt die Firma Exabeam, Hersteller eines SIEMs. In einem SIEM werden jede Menge Daten, Informationen oder Logfiles gesammelt und in Echtzeit ausgewertet. Wenn Auffälligkeiten entstehen, kann man sofort darauf reagieren.
Sandra Aengenheyster: „Egon, bitte erkläre uns, wie man damit Insidern auf die Spur kommt.“
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